Brief von von Frau Dr. Karin Jäckel an Ines Fritz

Mittwoch, 18. 5. 2011, 18: 25 Uhr

Sehr geehrte Frau Fritz,

wir sind uns wohl gänzlich einig, dass die derzeitige allein Mütter auf ihre Mutterschaft fixierende und allein Mütter dem besonderen Schutz der Solidargemeinschaft unterstellende Rechts- und Grundgesetz-Vorgabe weder Frauen noch Kindern dient und Männer bzw. Väter in gleichberechtigungswidriger Weise benachteiligt.

Der Gesetzgeber muss zwingend eine Gleichstellung von Frauen und Männern resp. Müttern und Vätern herstellen und das Recht wie die Pflicht zum Bekenntnis zum leiblichen Kind und zur gelebten Elternschaft garantieren.

Sie wollen dieses Ziel erreichen, indem Frauen von der Mutterschaft entpflichtet werden, um sie Männern gleichzustellen, deren Vaterschaft nicht festzustellen ist.

Anonyme Elternschaft sehen Sie in diesem Zusammenhang als Teil des Grundrechts auf Selbstbestimmung an.

Ich will dieses Ziel erreichen, indem Männer ebenso verpflichtet werden, sich als Vater zur eigenen Vaterschaft zu bekennen, wie Frauen der Mutterschaft bzw. dem Bekenntnis zu dem von ihnen geborenen Kind verpflichtet sind.

Zu diesem Zweck muss das natürliche, unantastbare Geburtsrecht des Kindes auf Kenntnis seiner Abstammung und auf beide Eltern dem Recht von Frau und Mann auf sexuelle Selbstbestimmung und Unwilligkeit zur Elternschaft untergeordnet werden.

Ich stimme Ihnen zu, dass Ihre Forderung leicht durchsetzbar wäre, während mein Ideal vor hohen Hürden steht.

Um mein Ideal durchsetzen zu können, müsste (zumindest)

1. der besondere Schutz für Frauen und Mütter im Grundgesetz fallen.

2. stattdessen dieser besondere Schutz Müttern und Vätern gleichermaßen gewährt werden.

3. das Recht des Kindes auf Kenntnis beider Elternteile im Grundgesetz und anderen wesentlichen Rechtsbereichen festgeschrieben und garantiert werden.

4. die wissentliche Verweigerung der Preisgabe der eigenen Mutterschaft wie Vaterschaft unter Strafe gestellt und durch Erzwingungshaft ermittelt werden.

5. die wissentliche Verweigerung der Preisgabe der Person des leiblichen Vaters unter Strafe gestellt und durch Erzwingungshaft ermittelt werden.

6. die wissentliche Vortäuschung der Vaterschaft oder Mutterschaft unter Strafe gestellt werden.

7. das Recht des Mannes auf Feststellung der eigenen Vaterschaft wie der Mutterschaft garantiert werden, auch gegen den Willen der Mutter und des Kindes.

8. das Recht der Frau auf Feststellung der eigenen Mutterschaft wie der Vaterschaft garantiert werden, auch gegen den Willen des betreffenden Mannes und des Kindes.

9. das Recht des Kindes auf Kenntnis der eigenen Abstammung und Identität im Grundgesetz verankert und garantiert werden.

10. das Recht des Kindes auf Erforschung der eigenen Abstammung durch Vaterschafts- und Mutterschaftstest auch gegen den Willen der betreffenden Erwachsenen garantiert werden.

11. das Recht des Kindes auf gelebte Teilhabe am Leben beider Eltern bzw. auf Umgang mit beiden Eltern im Grundgesetz verankert und garantiert werden. Auch gegen den Willen eines oder beider Elternteile.

12. dieses Recht des Kindes dem Recht von Mutter und Vater auf sexuelle Selbstbestimmung und Unwilligkeit zur Elternschaft übergeordnet werden.

13. elterlicher Umgang mit dem Kind als dem Kindeswohl dienend garantiert werden; es sei denn, dies widerspräche nach richterlicher Sachstandsermittlung und kinderpsychologischer Begutachtung nicht dem Kindeswohl.

14. Umgangsvereitelung wie Umgangsverweigerung unter Strafe gestellt werden. Und zwar sowohl in der Form der Umgangsverweigerung durch die Mutter wie durch den Vater wie auch eines Elternteils gegenüber dem anderen.

15. Punkt 11 15 auf alle Eltern ausgeweitet werden, die ein Kind an Kindes Statt annehmen.

Bis hierher wäre die gesetzliche Regelung ebenso leicht zu schaffen wie Ihre Version, sehr geehrte Frau Fritz.

Wirklich schwer ist es nur, Vaterschaft zu ermitteln, wenn Frau und Mann ihren Sexualpartner nachhaltig verschweigen bzw. in ihrer sexuellen Selbstbestimmung so hemmungs- und verantwortungslos vorgehen, dass ihre Sexualpartner beliebig sind und so oft wechseln, dass man sich namentlich nicht kennt.

In allen diesen Fällen ist von fehlender sittlicher und moralischer Reife sowie fehlender Erziehungsfähigkeit sowohl der Frau wie des Mannes auszugehen, so dass zum Besten des Kindes die Inobhutnahme durch andere Erziehungsberechtigte angeordnet werden müsste.

Auch in diesem Fall müsste dem Kind jedoch die Kenntnis zumindest des sicheren Elternteils und der Umgang mit diesem Elternteil garantiert werden, sofern dies nicht dem Kindeswohl schadete.

Ausnahme wäre selbstverständlich die Entstehung eines Kindes aus einer Vergewaltigung durch einen unbekannten Täter, nach dessen Person polizeilich gefahndet wird.

In diesem Fall müsste die Anzeigepflicht bei Vergewaltigung mit Schwangerschaftsfolge gesetzlich aus dem Kindesrecht auf Kenntnis der eigenen Eltern heraus angeordnet werden.

Sicher sind diese Überlegungen nicht umfassend und könnten, ja, müssten ausgefeilt und optimiert werden. Sie zeigen aber schon in meiner rudimentären Form, dass es kein Hexenwerk darstellte, das Recht aller Kinder auf beide Eltern gesetzlich festzuschreiben und zu garantieren wie umzusetzen.

Die Basis dazu wäre die Aufhebung des Mutterprimats zugunsten des Kindesprimats.

Die Folge wäre die längst überfällige elterliche Gleichstellung.

Es würde endlich das Recht des Kindes auf Mutter und Vater juristisch durchsetzbar. Umgangsverweigerung und Umgangsvereitelung wären Straftaten.

Die Selbstbestimmung der Frau und des Mannes würde vom bloßen Recht zur verantwortungsbewusst gelebten Pflicht, die sowohl gegenüber dem jeweiligen Partner wie dem mit diesem in die Welt gesetzten Kind wirksam wäre.

Es würde der unselige Massenstatus der Alleinerziehenden – sei es Mutter oder Vater – beendet und dem Recht wie dringenden Bedürfnis des Kindes auf Gemeinschaft, Erziehung und Fürsorge durch beide Eltern entsprochen.

Es würde die grassierende seelische Erkrankung und ganzheitliche Vernachlässigung von Trennungs- und Scheidungskindern eingedämmt, da es fortan weit seltener zu Eltern(teil)entbehrung und Elternentfremdung, zu dem Bindungsschwäche verursachende Parental Alienation Syndrome oder zu elterlicher Überforderung durch Alleinzuständigkeit käme.

Last but not least würde der elende Geschlechterkampf zumindest im Familienbereich entscheidend reduziert und eine neue Würde im Umgang zwischen Männern und Frauen herbeigeführt, die in einem gemeinsamen Kind Spuren ihrer Zweisamkeit hinterlassen haben.

Was die Entscheidung des BVerfG zum Umgang betrifft, der zum Kindeswohl nicht erzwungen werden kann, so erinnere ich daran, dass Gerichtsbeschlüsse wie Gesetze menschengemacht und temporär sprich angreifbar und korrigierbar sind.

Aus vielfacher eigener Erfahrung darf ich Ihnen versichern, dass der erzwungene Umgang eines Vaters oder einer Mutter mit ihrem Kind durchaus dazu führt, dass dieser Umgang nach einiger Zeit der Gewöhnung von beiden genossen werden kann.

Ich verweise hier auf das prominente Beispiel des Musikers Udo Jürgens, der durch die Mutter seiner nicht ehelichen Tochter per Gerichtsbeschluss zum Umgang mit seiner Tochter gezwungen wurde und heute ein schöne lebendige Vater-Tochter Beziehung mit ihr lebt. Oder denken wir an den Tennishelden Boris Becker und sein vom ihm massiv verleugnetes und abgelehntes „Besenkammer-Kind“, das er mittlerweile herzlich liebt und in sein Leben integriert hat.

Ihr Beispiel lehrt, dass dann, wenn eine Pflicht unausweichlich ist, sie auch angenommen und bewältigt wird.

Es muss sich das lange verdrängte Wissen neu verinnerlichen, dass Kinder ein Lebenssinn gebender Schatz für Mutter und Vater und ein wunderbares, beglückendes (Gottes)Geschenk sind, das von beiden Eltern Zuwendung, Förderung und Schutz verdient und einen unverbrüchlichen Rechtsanspruch darauf hat.

Ich bin überzeugt, dass die Erneuerung dieses Wissens zu einer kinderfreundlicheren Gesellschaft führen wird, in der Frauen wie Männer sich voneinander angenommener und respektierter fühlen und gemeinsam dafür eintreten werden, dass Selbstverwirklichung und Selbstbestimmung im Miteinander Erfüllung finden.

Es grüßt Sie freundlich,

Karin Jäckel

P. S.

Wie ich aus Goslar lesen, scheint die Ablösung von Monika Ebeling aus dem Amt der Gleichstellungsbeauftragten beschlossene Sache.

Ist denn schon absehbar, wie die mit dem Amt verbundene Aufgabe künftig zur Gleichstellung von Frauen und Männer, Mädchen wie Jungen erfüllt werden wird?

Antwort von Ines Fritz an Karin Jäckel. 23.05.2011

Sehr geehrte Frau Dr. Jäckel,

ich gehe davon aus, dass Männer ihr zumindest manchmal durchsetzbares Recht auf Selbstbestimmung über eine Ablehnung des Kindes durchaus zu würdigen wissen und dass es einer Mehrheit der Männer kein besonderes Anliegen ist, sich aus der Möglichkeit, nicht in jedem Fall Verantwortung für das leibliche Kind übernehmen zu müssen, zu befreien. Ein Interesse der Männer, die materielle und/oder fürsorgliche Verantwortung für das Kind im gleichen Maß wie Frauen übernehmen zu müssen, kann ich nicht erkennen. Ich begrüße diese Freiheit, die Männer zumindest dann erlangen können, wenn die Mutter auf die Zwangsverpflichtung verzichtet und ich lehne die Unfreiheit der Frauen, sich nicht gegen die automatische Mutterschaft wehren zu können, ab. Zudem nehme ich an, dass der Anteil der Männer, die sich dahingehend benachteiligt fühlen, nicht automatisch der Vater eines geborenen Kindes zu werden, überschaubar ist. Massen an Unterhaltsprellern und nicht zuletzt, die fehlende Möglichkeit als Kind den Umgang mit dem leiblichen Vater erzwingen zu können, belegen nachhaltig, dass Männer ihre Freiheit zu schätzen und zu schützen wissen und diese auch gern als legal und legitim durchsetzen wollen. Diese Freiheit wünsche ich mir auch für Frauen und zwar auch legal und legitim. Ihre Einschätzung zu den negativen Folgen, wenn denn die Frauen nicht mehr automatisch in die Verantwortung gegenüber dem Kind genötigt werden, teile ich nicht. Ich finde es hingegen ganz wunderbar, wenn die Liebe zum Kind und die anerkannte Verantwortung gegenüber dem Kind der Anlaß zur Elternschaft würde und zwar für Mutter wie Vater und ganz gleich, ob diese miteinander verheiratet sind oder nicht. Als Linke habe ich natürlich etwas gegen Zwänge und Repression und sowieso wenn die sich gegen alle Frauen richtet, aber nur gegen einen Bruchtteil der Männer. Die Freiheit, ein leibliches Kind nicht anerkennen zu müssen, haben Männer ja bereits und einige nutzen sie auch und zwar immer dann, wenn weder Mutter noch Vater den Vater in die Verantwortung zwingen wollen und beide darauf verzichten, die Vaterschaft klären zu lassen. Mein Kritikpunkt an der geltenden Rechtslage ist also der, dass Mütter überhaupt kein Recht und keine Möglichkeit haben, nicht die Mutter eines Kindes zu werden, wenn sie es geboren haben. Und am ungleichen Recht ändert sich auch nichts, wenn Frauen das Recht haben, die Mutterschaft abzulegen oder die Schwangerschaft abzubrechen, denn daraus ergibt sich neues Unrecht, nämlich die Ungleichbehandlung der Väter. Aber Männer haben dieses Recht bereits, nicht der Vater eines Kindes werden zu müssen, denn sie müssen nicht in jedem Fall die Vaterschaft antreten, obwohl sie ein Kind gezeugt haben und dies auch geboren wird. Trotzdem besteht da auch für die Rechte der Männer noch Nachbesserungsbedarf, denn die Vaterschaft erzwingen zu können, gefällt mir ebenfalls nicht. Allerdings finde ich es im Vergleich noch bedeutsamer, als Frau überhaupt keine Wahl zu haben, ob man die Mutterschaft ablehnen, antreten oder sich zwangsverpflichten lassen will, weil frau das Kind geboren hat. Der Zwang, die Vaterschaft antreten zu müssen, wirkt nur gegen wenige Männer, nämlich jene, die auf die Vaterschaft verzichten wollen, aber der Automatismus mit der Geburt eines Kindes die Mutterschaft übernehmen zu müssen, wirkt direkt und indirekt gegen alle Frauen. Das Dilemma, dass Vaterschaft neuerdings über Leiblichkeit (Abstammungstests) geklärt werden soll, aber eine Frau die ein Kind geboren hat, nicht dessen leibliche Mutter sein muss (Leihmutterschaft) wird spätestens dann Thema werden, wenn sich deutsches Recht dem europäischen angleicht, denn in anderen europäischen Ländern sind Leihmutterschaften nicht verboten. Das für deutsches Recht typische Miss- und Spannungsverhältnis der Rechte der Frauen zu denen der Männer wirft da einige Fragen auf. Dabei bin ich natürlich dagegen, die Rechte der Männer auf die zurechtgestutzten Recht der Frauen zu reduzieren, sondern die progressivste Idee, die Männern heute schon zur Verfügung steht, auch den Frauen zugänglich zu machen: Die Anerkennung der Elternschaft, siehe §1592 Pkt. 2 BGB. Und genau hier trennen sich unsere Ansichten: Sie meinen, dass Elternschaft Zwang braucht und die Rechte des Kindes ein Eingriff in die Rechte der Eltern rechtfertigen würden und ich sage, dass die Durchsetzung der Rechte der Eltern viel eher dem Kindeswohl dienen, als ein Recht des Kindes auf die leiblichen Eltern zu formulieren und durchzusetzen, weil dieses auch Eltern verpflichten würde, die keine Eltern sein wollen. Hierbei ist zu beachten, dass ich die Weigerung eines oder beider Elternteile, das leibliche Kind nicht annehmen zu wollen, für ein legitimes Interesse halte. Darum setze ich für Umgang, Unterhalt und Fürsorge und Elternschaft ansich Freiwilligkeit voraus und wünsche mir deren Umsetzung, auch im Interesse jener Männer, die sich heute schon mit Händen und Füßen gegen die erzwungene Vaterschaft und Unterhaltspflicht gegenüber einem ungewollten Kind wehren. Dabei erkenne ich aber an, dass derzeit die typisch deutsche Ausgestaltung der Rechte einer Mutter, das Primat der Mutter gegenüber dem Vater, jene Väter rechtlich benachteiligt, die Vater sein wollen, aber dabei auf die Zustimmung der Mutter angewiesen sind. Darauf hat der Gesetzgeber entsprechend reagiert und vorübergehend die Möglichkeit geschaffen, sich auch ohne Zustimmung der Mutter in Vaterschaft und Sorgrecht einklagen zu können. Allerdings bedeutet die Weigerung der Mutter die Vaterschaft klären zu lassen und/oder das Sorgerecht dem Vater zukommen zu lassen nicht, dass die Väter auch wirklich ausgegrenzt werden. Vaterschaft ist nicht nur ein Rechtsverhältnis, sondern soziale Interaktion. Vaterschaft ist möglich ohne Rechte zu haben. Jedoch sehe ich ein, dass bei praktizierter Ausgrenzung, die Möglichkeiten eines Vaters sich gegen die Mutter juristisch durchzusetzen, mangelhaft sind. Das ist aber nur einer der vielen Mängel im deutschen Familien- und Kindschaftsrecht und mE. nicht der wichtigste, weil es eben nur eine klitzekleine Zahl an Männern betrifft, denen mit mehr Rechten auch nur begrenzt zu helfen sein wird. Die Weigerung der Mutter, dem Kind Umgang mit seinem Vater zu erlauben, wird nicht allein dadurch hinfällig, dass ein Vater sich auch ohne deren Zustimmung in das Sorgerecht einklagen kann. Hier würde dann mE. vorallem die Strafbarkeit von Umgangsvereitelung bewußtseinsförderend helfen können, die dann aber auch in Strafbarkeit von Umgangsverweigerung seitens der Eltern münden muß, um die Interesse der Kinder nicht zu ignorieren. Dies aber - Sie ahnen es bestimmt schon - meinerseits nur dann, wenn die Elternschaft freiwillig zu Stande gekommen ist und eben nicht unter Zwang.

In ihrem Maßnahmekatalog können wir uns also ohne große Diskussion auf die Punkte 1, 2, 3, sowie 9, 14 einigen. Die Punkte 4, 5, 6, 7 und 8, sowie 10 bis 13 gehen überhaupt nicht mit meinem Rechtsverständnis zusammen und Punkt 15 würde ohnehin hinfällig, weil mit der Anerkennung aller Kinder auch durch die leiblichen Eltern, jedes Kind an Kindes statt angenommen würde, ob es nun das eigene ist oder nicht und eine Gleichstellung leiblicher und Adotiveltern überflüssig wird. Die Möglichkeit zur Ausforschung der Eltern auch gegen deren Willen läuft einem Recht auf Anonymität, so wie es der EuGH mit den Menschenrechten vereinbar erklärt hat, zuwider. Ganz gleich, ob es sich dabei um Mutter oder Vater handelt. Bei Punkt 12 gehe ich von einem Formulierungsfehler aus, denn mit dem Begriff "sexuelle Selbstbestimmung", die Sie dem Recht des Kindes auf Mutter und Vater nachordnen wollen, meinen Sie bitte nicht deren sexuelle Identität. Zu Punkt 13 ließe sich sagen, dass eine Garantie des elterlichen Umgangs als Teil des Kindeswohl bereits heute vom BVerfG schon verneint wird. Dem schließe ich mich (auch in Bezug auf Frauen) an.

Das Fehlen der moralischen und sittlichen Reife, Kinder zu zeugen oder auch zu gebären, ohne dies zu wollen, werfe ich weder Männern noch Frauen vor, sondern trage dem Umstand, dass auch ungewollten Kindern das Leben geschenkt wird, dahingehend Rechnung, diese ungewollten Eltern der aktuellen Verpflichtung die Verantwortung für dieses Kind übernehmen zu müssen, frei. Das ein Kind geboren wird, mündet in meinem Weltbild nicht dahin, auch die leiblichen Eltern zur Elternschaft zwingen zu müssen. Die Mutterschaft nicht antreten zu müssen, auch wenn das Kind geboren wird, beachtet auch die Belange der Kinder aus Vergewaltigungen, ohne dabei die Schwangere als deren Mutter in die Mutterschaft zu verpflichten.

Einig werden wir uns aber schnell, sobald es um die Abschaffung des Mutterprimats geht. Der Rest sind weltanschauliche Differenzen, die sich aus unterschiedlichen politischen Standunkten ergeben. Ob das Mutterprimat aber zugunsten des Kindesprimats fallen soll, kann ich nicht einschätzen, weil ich nicht weiß, was Sie mit "Kindesprimat" meinen. Wenn Sie damit den absoluten Vorrang der Rechte des Kindes gegenüber den Rechten der Eltern meinen, bin ich dagegen. Weil ich zum einen keinen grundsätzlichen Widerspruch zwischen Intressen der Eltern und jener der Kinder erkennen kann und zum anderen, ein evt. Interessenkonflikt einiger Eltern - also jene Eltern die anonym bleiben wollen, obwohl deren Kinder sie kennen wollen - nicht zugunsten des Kindes entscheiden möchte. Das Recht auf Anonymität, das ich gern gesetzlich verankert haben möchte und das so auch einschließen soll, als leiblicher Elternteil auf Wunsch und legal gegenüber dem Kind anonym bleiben zu können, ist ein Menschenrecht und sollte darum auch dem Recht des Kindes auf Kenntnis über seine Abstammung voran gehen.

Ihren Appell, dass Kinder ein Lebenssinn gebender Schatz sind, schließe ich mich vollumfänglich an. Allerdings gehe ich nicht soweit, auch alle Eltern in diese Erkenntnis durch Umgangspflicht zu zwingen und das möchte ich selbst dann nicht, wenn erzwungener Umgang zu späten Einsichten führt, weil ich es für unverantwortlich halte, die Kinder als Hilfsmittel zum Beibringen von mehr elterlicher Verantwortung zu benutzen. Das hat kein Kind verdient, den eigenen Eltern als Hilfsmittel zu mehr Verantwortungsbewußtsein zu dienen. Und ob das überhaupt so wirken kann, wage ich zu bezweifeln. Einig sind wir uns auch, dass Deutschland kein besonders kinderfreundliches Land ist, aber unsere Erklärungen, wie es dazu gekommen ist, unterscheiden sich erheblich. Zum Beispiel finde ich die Dämonisierung der Alleinerziehenden sozialschädlich sowie auch alle Ansätze dem "Problem" der Alleinerziehung abhelfen zu wollen, die meist darauf abstellen, dass Alleinerziehende nicht in der Lage wären Kinder optimal oder überhaupt zu versorgen. Das mündet in Mütterverachtung, denn der Großteil der Alleinerziehenden sind Mütter. Die Vorstellung, dass es mehr Väterrechte bräuchte, um den "unseligen Massenstatus der Alleinerziehenden" zu beenden, teile ich nicht. Zum einen weil ich es nicht dramatisch finde, Kinder allein zu erziehen und zum anderen, weil Alleinerziehung nicht unbedingt mit der Ausgrenzung der Väter einher gehen muß. Alleinerziehung ist vorallem ein Meldestatus und beschreibt, wo die gemeinsamen Kinder wohnen, nämlich überwiegend bei der Mutter. Dass der Vater ausgegrenzt wird, keine Rechte gegenüber dem Kind hat oder diese nicht durchsetzen kann, belegt es nicht. Hier wird dann in der Verdammung der Alleinerziehenden nicht zu knapp die Erziehungsleistung derjenigen Väter, die mit Kindern und deren alleinerziehenden Mutter, also nicht mit ihr und Kindern in einem Haushalt wohnen, ignoriert. Zur Problematik der Vernachlässigung der Väter der Kinder alleinerziehender Mütter hat sich neulich Tim Köhler-Rama, Mitglied bei Väteraufbruch e.V., im Tagesspiegel geäußert:

http://www.tagesspiegel.de/meinung/wo-ist-papa/4162720.html

Dass auch ich mir eine kinder- und auch elternfreundliche(re) Gesellschaft wünsche, sollte klar geworden sein. Jedoch denke ich, dass schon viel dafür getan wäre, wenn die Idealisierung und Privilegierung der Klein-/Kern-Familie abebben würde, so dass auch alternative Familienstrukturen und Elternmodelle als gleichberechtigt anerkannt werden und nicht regelmäßig der medialen Verdammung überstellt würden und wenn die Transferausbeutung der Eltern beendet werden kann, so dass die ökonomische Belastung des Kindeshabens gerechter auf alle Schultern verteilt würde. Zudem hoffe ich darauf, dass der Wert der Elternschaft sozial und politisch ein Zugewinn an Ansehen erfährt, wenn es nicht der Effekt einer unbedachten Nacht ist, sondern eine bewußte Willensentscheidung. Ich wünsche mir die Liebe zum Kind als Grund dafür, sein Vater und seine Mutter zu sein, denn erst dann kann überhaupt das Kindeswohl definiert und ihm Rechnung getragen werden. Dabei halte ich es für nebensächlich, ob die anerkenennden Eltern auch tatsächlich die leiblichen sind. Das ist ein grundlegender Bewußtseinswandel, der auch in Frankreich zu zahlreichen und massiven Protesten führte, aber auch hier irgendwann in Bezug auf die Harmonisierung deztschen Rechts an den europäischen Standard angepackt werden muß, denn so wie es jetzt ist, kann es ja nicht weiter gehen. Welche Kriterien man auch immer zum Messen des Erfolgs der deutschen Familienpolitik hernehmen will, Deutschland versagt kläglich. Alle noch so gut gemeinten Hilfsmittel scheitern mE. am Ungleichgewicht der Verantwortung für die Kinder zu Lasten der Mütter. Wenn dazu dann noch diese Verantwortung, die viele Mütter sogar allein tragen, mit sehr schlichten Argumenten schlecht geredet wird, haben nicht einmal mehr Frauen Lust dazu, sich in die garantierte Verdammung auf eigene Kosten einzuleben. Dazu kommt dann noch die aus mehreren Kanälen gleichgestellte Idee, eine Schwangerschaft ja auch jederzeit abbrechen zu können und damit dann der Selbstbestimmung ebenso dienen zu können, als würde das Kind geboren und man müsse nicht deren Mutter oder dessen Vater werden. Eine solche Setzung als Alternative zur Geburt finde ich zynisch und ich finde es nicht gleichbedeutend, ob ein Kind geboren oder abgetrieben wird. Der sowieso schon geminderte Wunsch der Männer, Vater werden zu wollen, schwindet weiter täglich. Und das nicht zuletzt, weil Männer nach antifeministischer Propaganda täglich und crossmedial mit misogyner Angst infiziert werden, ruiniert und verlassen zu werden, sollten sie sich auf das Wagnis einer Vaterschaft einlassen. Der Tatsache, dass eine Trennung der Eltern nicht mit dem Verlust der väterlichen Rechte und der Ausgrenzung der Väter einhergehen muß, wird kaum Beachtung geschenkt. Während zum Beispiel Tim Köhler-Rama, als Mitglied des Väteraufbruch e.V., auf die Möglichkeiten der getrennt lebenden Väter verweist, rechnet Agens e.V. in Schlichtlogik alle Scheidungskinder zu "Halbwaisen" (400 täglich, siehe: http://agensev.de/aktuelles/400/), die angeblich auf ihren Vater verzichten müssen, weil deren Väter per Gerichtsbeschluß wohl hingerichtet werden mußte oder was auch immer, und maßt sich an, für die Rechte der halluzinierten 400 "Halbwaisen" auf einen Vater zu kämpfen, der ja zumindest sprachlich bereits tot ist. Die Widersprüche der einen Väterrechtsorganisation mit den Parolen der anderen, werden aber nicht diskutiert, aber alle wirken sie auf Männer, die sich eben mal davor oder davor, aber immer wieder fürchten sollen. Das mehrheitliche Festhalten der Männer am Malebreadwinnerprinzip (57,2 % der jungen Männer finden, dass das erste Kind frühestens dann kommen soll, wenn sie selbst in der Lage sind, eine Familie ernähren zu können, siehe: http://www.dji.de/bibs/Vaeterstudie/news0811_1_vaeter_kurzfassung.pdf )
und nicht zuletzt, weil die Alimentierung eines erwerbslosen Ehegatten auch steuerlich belohnt wird, was sich Deutschland als einziges OECD-Land gönnt - scheitert heute schon an der schwindenden Möglichkeit es auch zu können. Der Reichtum der Deutschen verteilt sich ja nicht gleich, sondern wenig haben viel und viele haben wenig. Nur leider scheinen die wenigen mit viel Einkommen auch die Konventionen derjenigen gestalten zu wollen, die nicht genug haben, diesen Werten auch zu folgen. Hier umzudenken und die Berufstätigkeit der Mutter als Möglichkeit anzuerkennen, trotzdem eine Familie gründen zu können, vollzieht sich in Ost- und Westdeutschland unterschiedlich und das auch noch von unterschiedlichem Ausgangsniveau:

"Der Anteil der Westdeutschen, die meinen, dass eine Erwerbstätigkeit der Frau die Mutter-Kind-Beziehung beeinträchtigt, ist im Untersuchungszeitraum gerade einmal um 8 Prozentpunkte zurückgegangen. 1982 war ein Drittel der Westdeutschen (33%) der Ansicht, dass die Beziehung zum Kind leidet, wenn seine Mutter berufstätig ist, während der Anteil im Jahre 2000 bei einem Fünftel (21%) liegt. Zwischen 2000 und 2006 ist der Anteil der Westdeutschen, die die Berufstätigkeit von Müttern diesbezüglich kritisch beurteilen, wieder auf ein Viertel (25%) angestiegen. In Ostdeutschland stagniert der Wert seit 1992 – mit einem Anteil von 6 bis 8% allerdings auf einem sehr geringen Niveau."

Quelle: http://www.gesis.org/fileadmin/upload/forschung/publikationen/zeitschriften/isi/isi-38.pdf?download=true

Die Entwicklungen in Ost und West sind eher gegenläufig, jedoch wird auch im Westen eingesehen werden müssen, dass der unter auch jungen Männern - vorallem im Westen- immernoch weit verbreitete Anspruch aus einem Einkommen (des Mannes) eine Familie ernähren zu wollen, immer seltener erfüllt werden kann. Dass zumindest ein zweites Einkommen die Möglichkeit schafft, trotz sinkender Einkommen eine Familie zu gründen und Kinder zu bekommen, macht jetzt nicht die Ausbeutungslogik des Kapitalismus wett, aber läßt Kinder zur Welt kommen, die sonst ungeboren blieben, und überläßt uns nicht dem Schicksal einer überalternden Generation. Generative Verantwortung, also der Bezug auf jene, die nach uns kommen, halte ich zudem für eine wichtige Basis politischen, zukunftorientierten Handelns.

Hier möchte ich aber vorallem für Vertrauen in die Menschen werben, die sich verantwortlich und selbstbestimmt, auch wenn sie es nicht müssen, und freiwillig in die Verantwortung gegenüber ihrem Kind begeben werden. Weil trotz aller kinder- und familienfeindlicher Propaganda und Politik in Deutschland, trotz Transferausbeutung und der Ungleichbehandlung der Geschlechter und wider aller legaler und auch straffreier Verhütungs- und Verhinderungsmaßnahmen, der Wunsch der Deutschen, sich fortzupflanzen, sich nicht vollständig verhindern läßt und immernoch die Mehrheit der Menschen, trotz aller Lasten und Nachteile, Eltern werden wollen und auch liebevolle Eltern sind, so dass ich ruhigen Gewissens dazu auffordern kann, auf alle Zwänge zukünftig zu verzichten und allen zukünftigen Eltern die Entscheidung frei zustellen, die Elternschaft anzuerkennen und nicht gesetzlich verordnet zu bekommen. Einfach darum, weil ich auf die Wirksamkeit des evolutionären Programms der Fortpflanzung und an das Verantwortungsbewußtsein der Eltern Hoffnungen setze und den Kindern jener Eltern, die von der eigenen Fruchtbarkeit überrascht werden, trotzdem keine Eltern zumuten möchte, die keine Kinder wollen. Ich vertraue vollständig darauf - und das obwohl mir bewußt ist, dass es auch andere Einstellungen und Verhaltensweisen gibt - dass Männer wie Frauen mehrheitlich auch ohne gesetzlich festgelegten Zwang, sich ganz bewußt und willentlich Kinder wünschen, diese im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte und mit entsprechendem Verantwortungsgefühl zeugen und gebären und ohne jeden Zwang die Elternschaft anerkennen, mit allen Konsequenzen die dazu gehören. Und wenn erst die Lasten und Kosten der Eltern wegen des Kinderhabens gerecht verteilt werden und die Mütterverachtung als das erkannt wird, was sie ist, wird auch das Ansehen der Eltern und die Akzeptanz für Kinder steigen und damit auch die Kinderfreundlichkeit in Deutschland. Und wenn dann auch noch der Gesetzgeber ein Einsehen hat, dass Eltern nicht endlos ausbeutbar sind und Unfreiheit auch ein Problem ist, wenn sie vorallem Frauen betrifft, hätten wir fast schon französische Zustände und könnten leben wie Eltern in Frankreich...

;-)

Was die Abberufung von Monika Ebeling als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Goslar angeht, so war das vorhersehbar und absolut notwendig. Frau Ebeling war eine Fehlbesetzung. Der Antrag der FDP auf Umstellung der Halbtagsstelle auf ein Ehrenamt ist von Sparinteresse geleitet, bildet aber auch die zukünftige Entwicklung ab. Noch wird man dem Interesse auch diese Kosten zu sparen, nicht nachgehen, aber irgendwann schon. Allerdings leidet die FDP auch erheblich unter ihrem Umverteilungsinteresse, die wählt ja kaum jemand mehr. Die Bedeutung solcher Ämter möchte ich aber nicht überbewerten, denn der Einflußbereich der Gleichstellungsbeauftragten beschränkt sich auf die einberufene Verwaltung und folgt ohnehin dem Prinzip des Gender Mainstreaming, das mir aus feministischer Perspektive nicht weit genug geht. Bezeichnend allerdings fand ich den Umgang der Medien bei der "Schlacht um Goslar", wo sich ja selbst auflagenstarke Blätter nicht zu schade waren, vollkommen unkritisch die Propaganda der Unterstützer_Innen der Frau Ebeling wieder zu geben. Die Unwahrheit, dass Frau Ebeling, aus dem Amt enthoben wurde, weil sie Männer unterstützt habe, wurde mir einfach zu oft reproduziert. Allerdings zumeist von den üblichen Protagonisten und mit mäßigem Erfolg, denn Frau Ebeling mußte dennoch gehen. Da hätte auch behauptet werden können, sie würde gehen müssen, weil sie eine Frau ist oder ihre Kostümchen nicht schick genug sind. Was da erfunden wird, um die wahren Gründe (mangelnde Kritik- und Temfähigkeit) zu verdrängen, wird nebensächlich, wenn man beobachtet, dass es wohl ein omnipräsentes Medieninteresse daran gibt, Männer als Opfer (und stellvertretend Frau Ebeling als deren tapfere, aber erfolglose Vorkämpferin) darzustellen und das offensichtlich das Befüllen der Seiten manch einem Zeitungsmenschen wichtiger ist als die Recherche zum Wahrheitsgehalt.

Als die verbindliche Aufgabe der Gleichstellungsbeauftragten setze ich voraus, dass Männer wie Frauen, Mädchen wie Jungs, von allen Gleichstellungsbeauftragten gleichermaßen geholfen wird. Allerdings werden bestimmte Spezialisten, und vorallem Kritiker der Gleichstellung, noch ewig auf die amtliche Interessenvertretung warten müssen und vorallem durch eine/n Gleichstellungsbeauftragte/n, weil nicht jede/r, die oder der meint, Gleichstellung zu vertreten, auch wirklich damit Gleichstellung der Männer und Frauen meint oder auch nur solches im Sinn hat. Natürlich ist deren Hoffnung eine Gleichstellungsbeauftragte installieren zu können, die sich gegen die Interessen von Frauen verwendet, mit Monika Ebelings Abberufung versiegt. Dass aber wieder ein Sprachrohr der Antifeministen zur Gleichstellungsbeauftragten wird, davor kann uns die Erinnerung an Frau Ebeling bewahren. Zumindest ist sie ein beeindruckender Beleg dafür, dass Geschlechterseparation nicht bedeuten muß, dass ein beauftragter Vertreter eines Geschlechts auch die Interesse des eigenen Geschlechts vertritt. Aber das ist ja eigentlich schon seit Alice Schwarzer bekannt, nur arbeitet die eben ohne kommunalen oder sonstigen Auftrag. Es dringt nun aber langsam ins Bewußtsein, dass auch Frauen sich aktiv gegen die Interesse von Frauen einsetzen und schlimmstenfalls sogar - wenn sie besonders dreist sind- auf Positionen, die eigens dafür geschaffen wurden, Gleichberechtigung von Männern und Frauen durchzusetzen.

Liebe Grüße

Ines Fritz

Zum vorherigen Briefwechsel:

Teil 1 und Teil 2